Interview mit Coach Denis Toroman

Interview mit Coach Denis Toroman

2. Februar 2019 von Marcus Boljahn in 1. Regionalliga Nord, Herren 1

RSV Eintracht hat spielfreies Wochenende

Durch die ungerade Anzahl von 15 Mannschaften in der 1.Regionalliga Nord hat jedes Team an einem Wochenende mal spielfrei. Diesmal trifft es den RSV Eintracht. Dennoch hat sich Coach Denis Toroman die Zeit genommen, um auf ein paar Fragen zum Stand der Dinge ausführlich zu antworten.

Frage: Unser Team hat sich kürzlich nach schwachem Start ins neue Jahr mit zwei Siegen zurückgemeldet. Welche Änderungen oder Anpassungen haben wir vorgenommen?

Antwort: Wir haben nichts geändert. Wie ich nach dem Spiel gegen Vechta bereits sagte, wir haben jedes Spiel 15-20 offene Würfe, die wir uns durch unser Passspiel erarbeiten und welche uns unsere Gegner teilweise auch erlauben, da sie sich defensiv auf die Verteidigung der korbnahen Bereiche konzentrieren. Das Stade-Spiel hat unser Selbstvertrauen schon angeknackt, denn es war ein Spiel, in dem der Gegner nur mit 6 Spielern im Kader agierte. Sie machten aber fast 20 Minuten lang kein einziges Foul (das habe ich in meiner Karriere noch nie gesehen) obwohl wir mehrfach zum Korb gezogen sind. Irgendwann fingen unsere Spieler dann natürlich an nur noch Dreipunktewürfe zu versuchen, weil sie es für nutzlos hielten zum Korb zu ziehen und weil sie auch oft weit offen standen. Wir haben das Spiel letztlich verloren und das hat unser Selbstvertrauen und unsere Mentalität verändert. Die nächsten zwei Gegner hatten dann die gleichen „Taktiken“ wie Stade und wir haben einfach keine offenen Würfe verwandelt.

Aber nach dem wohlverdienten Sieg gegen Königs Wusterhausen, bei dem meine Spieler großen Kampfgeist und Moral bewiesen, kam unser Selbstvertrauen zurück, denn der Sieg ist das beste Heilmittel dafür. Gegen Vechta haben wir dann eine gute Leistung gezeigt und letztlich die offene Schüsse getroffen.

Frage: Ist es besser, jetzt eine Woche mehr Zeit zu haben, um sich auf das harte Auswärtsspiel beim Tabellenvierten Rendsburg vorzubereiten oder hättet ihr lieber direkt wieder gespielt?

Antwort: Ich mag es nicht, dass wir eine Zwangspause machen mussten, denn wie ich schon sagte, sind wir endlich zu unserem Rhythmus und zu unserer Form zurückgekehrt. Durch ein freies Wochenende kann man nun bereits etwas an Form einbüßen, denn wir befinden uns nicht auf dem Niveau, in dem ich die Woche dazu nutzen könnte, um noch härter zu trainieren und einen Mikrozyklus zu machen. Ich hätte also lieber an diesem Wochenende ein Match gespielt.

Frage: Wir hat das Team auf unsere beiden neuen Gesichter Petar Zivkovic und Akim-Jamal Jonah reagiert und sie begrüßt? Was erwartest du von ihnen für den Rest der Saison?

Antwort: Akim und Petar waren die Spieler, nach denen wir gesucht haben, um Lucas Skibbe und Dima Hasenkampf zu ersetzen. Sie kommen aus verschiedenen Situationen. Petar hat seit einem Jahr durch einen Kreuzbandriss nicht gespielt. Aufgrund seiner Verletzung braucht er definitiv mehr Zeit, um sich in Form zu bringen und auch um sich bei seinen Bewegungen wohl zu fühlen bzw. keine Angst mehr zu haben.

Akim ist in einem besseren Zustand, er ist gesund, aber er hat in den letzten 18 Monaten nicht viele Spiele gespielt. Aber er hat in den Staaten deutliche Fortschritte gemacht und zeigte dies bereits im letzten Spiel gegen Vechta. Beide Spieler geben uns Stabilität und gute Charakter. Sie wurden beide sehr herzlich aufgenommen vom Team.

Frage: Nach dem Gewinn der Herbstmeisterschaft haben sicherlich einige Fans und Beobachter nun erwartet, dass wir direkt in die 2.Basketball-Bundesluiga ProB zurückkehren können. Denkst du, das ist eine realistische Zielstellung, vor allem im Hinblick auf Ligaprimus Wolmirstedt, der personell in der Weihnachtspause auch noch mal nachgelegt hat?

Antwort: Dies ist eine sehr schwierige, aber zugleich auch einfache Frage, und die Antwort lautet Ja und Nein. Von dem Moment an, als ich anfing die Saison zu planen, war und ist es mein Ziel, die Liga zu gewinnen. Jeder Spieler wusste das, jeder Spieler stimmte dem zu und stimmte der harten Arbeit zu. Das bedeutet, dass ich alles in meiner Macht stehende unternehme, um so professionell wie möglich zu trainieren und das Team auf die Spiele vorzubereiten. Wir tun dies weiterhin so, als wären wir in einer höheren Ebene als in der Regionalliga. Natürlich mache ich auf diesem Weg auch viele Fehler, aber ich gebe immer 200 Prozent.

Auf der anderen Seite müssen wir realistisch sein, 90% unserer Spieler sind letztlich keine Profis. Basketball ist nicht die Nummer 1 in ihrem Leben und ich kann nicht erwarten, dass sie 4 mal pro Woche zum Training kommen und alles wie echte Profis leisten. Jeder von ihnen müsste daher eigentlich viel mehr verdienen, wenn man berücksichtigt, was ich von ihnen verlange, auch wenn es nur 4 mal pro Woche ist. Von diesen 4 Trainingseinheiten fehlen jedoch bei mindestens 1 oder 2 Einheiten immer 3-4 Spieler, allerdings jeweils aus absolut nachvollziehbaren Gründen. Ich sage das alles, weil ich denke, dass das Wichtigste für den Gewinn dieser Liga ist, dass man so professionell wie möglich arbeiten kann. Wenn wir 2-3 Mal pro Woche am Morgen und 4-5 Mal pro Woche am Nachmittag trainieren könnten, wäre ich sofort bereit darauf zu wetten, dass wir die Liga gewinnen würden. Dies ist die wichtigste Voraussetzung, denn das war auch in letzten 4-5 Jahren am Ende immer der Unterschied vom Regionalligameister zu den anderen Teams. Sie trainierten einfach mehr als die anderen und waren professioneller aufgestellt. Aus diesem Blickwinkel heraus bin ich nicht sicher, ob wir genug trainieren, um die Liga zu gewinnen, aber wir werden sicher 200 Prozent geben und in jedem Spiel kämpfen.

Letztlich muss ich meinen Spielern viel Anerkennung zollen, weil ich sehr viel von ihnen verlange, sehr hart und fordernd bin. Und wenn sie vorher auf der Arbeit oder in der Schule schon 8 Stunden an diesem Tag waren, bevor sie danach zum Training kommen, ist es nicht einfach mein hohes Anforderungslevel immer abzurufen. Das wichtigste ist, sie sind eine Gruppe sehr guter Menschen mit großartigen Persönlichkeiten und großem Kämpferherz.